Viel Lärm um Nele

 

Sofa // 1972

Ganz entspannt: Nele und ihr Sofa waren unzertrennlich, Aufnahme aus dem Jahr 1972.

Die Redaktion bedankt sich für alle Hinweise zum Bild 19 der Fotostrecke von John Chikago. Die einestages-Leser hatten festgestellt, dass im Hintergrund der laut Chikago von 1972 stammenden Aufnahme offensichtlich ein Wandposter des US-Fotomodels Anna Nicole Smith zu sehen ist – eine Aufnahme, mit der Smith erst in den neunziger Jahren berühmt geworden war.

Auf Nachfrage der Redaktion teilte John Chikago mit, dass es sich bei der Frau auf dem Poster tatsächlich um Anna Nicole Smith handle. Er habe in den neunziger Jahren zwischenzeitlich mit Photoshop experimentiert, dann aber bemerkt, dass selbst künstlerische Montagen die Authentizität der Bilder zu sehr beeinträchtigten. Leider sei ihm die Aufnahme bei der Bildauswahl für den einestages-Artikel versehentlich “durchgerutscht”. Alle anderen Fotos in der gezeigten Serie seien jedoch “definitiv authentisch”, inklusive der Aufnahme mit den Kampfjets im Hintergrund.

Die Redaktion bedauert die Veröffentlichung einer Montage, über die sie nicht informiert gewesen war. Zur Dokumentation bleibt das Bild jedoch vorerst Teil der Galerie.

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Ich kenne diese Laberbacken, die sich über jedes gedruckte oder sonst wie veröffentlichte Foto mit seltsamen, nach Wissenschaft stinkenden Argumenten hermachen. Das Kuriose daran ist, dass sie selber nie ihre Kamera zum Fotografieren mitnehmen, sondern als Statussymbol einer virtuellen Zugehörigkeit und Wissenssteifheit zu Hause im Freundeskreis zelebrieren.
Ich habe zwanzig Jahre als Chefredakteur einer Fotozeitschrift und eines Kunstmagazins diesen Typen die Tür zum Herausgehen gezeigt, um diesen ewigen Neidsalmon und Bewertungsmist ihrer eigenen Leere aus dem Weg zu gehen.

Meine Fotos sind einfach das, was sie sind, nicht mehr und nicht weniger. Ich habe sie nie jemandem aufgedrängt, wohl wissend auch ihrer sprachlichen Einengung meiner Fotos, dies sei so, das sei so, auszuweichen. In den siebzigern wurde ich gefragt, wie ich die beiden Flugzeuge in meiner Dunkelkammertechnik einbrachte (Es waren F100 Kampfbomber aus Diepholz, Aurich oder Oldenburg selbst – in und um Oldenburg lagen drei Nato-Flugplätze, die ständig im Tiefflug ihren Donner über die Stadt und Umgebung verstreuten. Man konnte im Sommer kaum ein Foto ohne diese Maschinen machen).

Heute wird alles dem Zauber von Photoshop zugeschrieben, als wenn es nichts interessanteres gäbe, über das WIE zu sprechen. Irgendwann in den Endsiebzigern, legte ich einigen von mir ausgewählten auch damals bekannten Fotografen zwei Kartons mit jeweils 20 Fotos von mir vor, der eine Karton war mit meinem Namen versehen, der andere mit einem Pseudonym. Der mit dem Pseudonym ausgewiesene Karton wurde als veröffentlichungswürdig bewertet, der mit meinem Namen bezeichnete als schlecht – auch wenn ich die Fotos auswechselte. Dies bewies mir den jämmerlichen Zustand deutschen Fotografengeistes, die sich damit als Elfenbeinturmbewohner ihrer eigenen Eitelkeit entlarvten.

Mag Ann Nicole Smith in einem Foto von 1972 reinmontiert sein. Darunter war im Original auch ein Aktfoto. Ich habe halt Photoshop ausprobiert und die Montage, die ca. 1995 entstand einfach vergessen – Na und – Sollen sich doch die Pornoliebhaber den Brei ihrer nie ausgelebten Geilheit daran abwichsen. Ich mach das, was ich will und wem das nicht passt, braucht sich das ja nicht an zu sehen. Auf jeden Fall bin ich dankbar, diese Zeit mit erlebt zu haben und zwar in vollen Zügen ohne den sprachlichen Griesgram der nicht Dabei-Gewesenen zu verurteilen. Sie sollten einfach mal die Fresse halten und ihr eigenes Leben annehmen. Ihr langweilt mich einfach nur.

John Chikago

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